Lebensversicherung

Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme, dass eine Lebensversicherung nur dann zahlt, wenn der Tod des Versicherten eintritt, gibt es eine Vielzahl weiterer Leistungsfälle, zu denen die Versicherungssumme ausgeschüttet wird. Das Eintreten der Berufsunfähigkeit oder Erleben eines bestimmten Zeitpunktes können genauso den Vertrag erfüllen, wie das Ableben vor dem festgelegten Zeitpunkt. Wie man sieht, umfasst eine Lebensversicherung verschiedenste Szenarien.

Gegenüber einer Unfall- oder Sozialversicherung erfüllt sie die Voraussetzung einer Summenversicherung. Es wird am Ende der Laufzeit oder zum vereinbarten Fälligkeitstermin die festgelegte Versicherungssumme ausgezahlt. Anderes als bei Schadensversicherungen, die nur für den tatsächlich entstandenen Schaden aufkommen müssen. In den letzten Jahren hat die Lebensversicherung besonders als Instrument der Altersvorsorge und Kapitalanlage an Attraktivität gewonnen.

Gerade wenn langfristige Anlagenziele im Vordergrund stehen, bieten sich Lebensversicherungen an. In diesem Zusammenhang fällt das Vertragsende in der Regel mit dem Erreichen des Renteneintrittsalters zusammen. Zusätzlich winken steuerliche Vorteile. Ab einer Versicherungszeit von 12 Jahren müssen die Erträge nicht versteuert werden. Ähnlich einer privaten Krankenversicherung treten Unterschiede in den Beiträgen zwischen den Geschlechtern auf. Sind die Kosten für Frauen in einer Krankenversicherung aufgrund des Schwangerschaftsrisikos höher, sieht die Situation für eine Lebensversicherungspolice vollkommen anders aus. Die höhere Lebenserwartung wird mit niedrigeren Beiträgen belohnt. Neben der Funktion als Anlageinstrument, kann die Versicherung noch an anderer Stelle nützlich sein. Da sie zum Vermögen des Versicherten zählt, kann sie als Sicherheit gegenüber einem Kreditinstitut eingesetzt werden. Gerade für größere Investitionen, wie der Kauf von Immobilien, lässt sich mit dieser Vorgehensweise recht gut absichern, da die Versicherungssumme in den meisten Fällen relativ hoch.

Das ursprüngliche Konzept der modernen Lebensversicherung geht auf die Beerdigungsvereine des antiken Roms zurück, welche einen Teil der Kosten für die Grablege ihrer Mitglieder übernahmen. In dieser Form kann das damalige Finanzierungsmodell nicht im Geringsten mit den heutigen verglichen werden. Die erste echte Lebensversicherung mit Rentencharakter kam Mitte des 17. Jahrhunderts im damaligen Paris in Mode. Der italienische Arzt Lorenzo Tonti wurde von Kardinal Mazarin damit beauftragt, ein Modell der Altersvorsorge zu entwickeln. Des Ergebnis, sogenannte Tontinen, waren Einrichtungen, die über die Jahre von ihren Mitgliedern Beiträge kassierten und ab einem bestimmten Alter das gesammelte Vermögen plus Zinsen wieder auszahlten, sofern die ertragsberechtigen Personen zu diesem Zeitpunkt noch am Leben waren.

Der Weg zu unseren heutigen Versicherungskonzepten war allerdings noch lang und steinig. Eine wesentliche Etappe war die Gründung verschiedener Fonds, in denen sich vor allem einzelne Berufsgruppen organisierten. Die Versicherungsbörse Loyd´s geht zum Beispiel auf eine dieser Gründungen zurück. Wirklich echte Lebensversicherungen entstanden aber erst gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts in Europa. Ab 1827 waren diese Versicherungen auch in Deutschland erhältlich. Besonders der Vorläufer unserer heutigen Gothaer Lebensversicherung hat sich um die Entwicklung des deutschen Versicherungswesens verdient gemacht. Mit der ersten Volksversicherung aus dem Jahre 1892 war die Vorsorge für jedermann möglich.

Seitdem ist die Lebensversicherung zum festen Bestandteil der Versicherungslandschaft geworden und als Instrument am Kapitalanlagemarkt nicht mehr wegzudenken.



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