Entstehung der PKV

Die Geschichte der privaten Krankenversicherung ist eng mit der Entwicklung der gesetzlichen Kassen verbunden. Bis ins späte 19. Jahrhundert war zwischen beiden noch keine Trennung zu erkennen. Wer nach den Anfängen der Gesundheitsvorsorge sucht, muss bis ins Mittelalter zurückschauen. Die Wurzeln des modernen Gesundheitssystems gehen auf die Zünfte der Handwerker zurück. Diese sammelten Geld, um Angehörige ihres Berufstandes für den Fall der Arbeitsunfähigkeit zu unterstützen.

Erst Mitte des vorletzten Jahrhunderts wurden seitens der Gesetzgebung Versuche unternommen, die Gesundheitsvorsorge in der Gesellschaft zu verankern. Am 17. Januar 1845 trat im Königreich Preußen ein Gesetz in Kraft, das die Gründung von Krankenkassen für Fabrikarbeiter erlaubte und den ersten Schritt in Richtung einer Sozialversicherung darstellte. Weiterhin erhielten die Gemeinden im Reichsgebiet das Recht, alle Gesellen und Gehilfen zum Eintritt in die Kassen zu zwingen. Dieser Erlass enthält erste Ansätze einer Versicherungspflicht. Durch die kommunale Selbstbestimmung wurde Pflichtcharakter wieder unterwandert, nur wenige Gemeinden machten tatsächlich Gebrauch von ihrem Recht. Dem Beispiel Preußens folgten einige der damaligen Staaten. Erst 1876, fünf Jahre nach der Gründung des deutschen Reiches, wurden die verschiedenen Regelungen auf einen Standard gebracht. Parallel zu dieser Verordnung entstanden erste Ansätze zu einer privaten Sozialversicherung. Besonders Kommunalbeamte zeigten großes Interesse an der gemeinschaftlichen Absicherung ihrer Gesundheit. Auf das Jahr 1848 geht die Gründung der Krankenkasse für Polizeibeamte des Berliner Präsidiums zurück.

Die Trennung zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung und der privaten Gesundheitsvorsorge wurde 1883 durch Reichskanzler Bismarck vollzogen. Um der immer stärker um sich greifenden Verelendung der Arbeiter entgegenzuwirken, wurde die Versicherungspflicht festgeschrieben. Träger der Leistungen waren die Innungs -, Betriebs – und Knappschaftskrankenkassen. Die erste, wirkliche Krankenversicherung erfasste aber nur den Kreis der Fabrikarbeiter. Für alle anderen Personengruppen im Reichsgebiet war keine staatlich verordnete Absicherung vorgesehen. Aus diesem Grund begannen sich diese Bevölkerungsschichten, zum Beispiel Beamte, in ähnlichen Einrichtungen zu organisieren. Diese wurde privat finanziert und bildeten die Grundlage der heutigen PKV.

Der eigentliche Entwicklungsschub für die private Krankenversicherung kam von den Handwerkskammern. Sie versuchten um die Jahrhundertwende den gesetzlichen Schutz auf Handwerker auszudehnen, was die Reichsregierung ablehnte. Die abwehrende Haltung der Gesetzgebung hatte zur Folge, dass die Handwerkskammern gezwungen waren, ihre eigenen Krankenversicherungen ins Leben zu rufen. Auf dem 7. Handwerks – und Gewerbekammertag wurde der Beschluss gefasst, für alle Handwerker und Selbständige Kassen einzurichten, deren Aufgabe es war, für den Fall der Krankheit zu sorgen. Damit war der Bruch zwischen GKV und OKV endgültig vollzogen.

Mit dem Ende des 1. Weltkrieges brachen auch für die Versicherungen schwere Zeiten an. Hatte der Mittelstand in den Jahren vor Kriegsausbruch durch sein Vermögen für einen ständigen Ausbau der Kassen gesorgt, brachen diese Zuwendungen auf einen Schlag weg. Durch die Finanzkrisen der Nachkriegsjahre verloren große Teile Beitragszahler ihr Vermögen. Erst nach der Währungsreform in den zwanziger Jahren beruhigte sich die Lage wieder und die Krankenkassen konnten aufatmen.
1934 sorgte das Gesetz zum Aufbau der Sozialversicherung zu größeren Migrationsbewegungen zwischen den einzelnen Krankenkassen. Die vorher privaten Ersatzkassen wurden Teil der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Zuge der Umstrukturierung wurde auch der Personenkreis neu definiert, der berechtigt war, sich in einer der gesetzlichen Kassen zu versichern. Aufgrund dessen waren viele Mitglieder gezwungen, in private Gesellschaften zu wechseln. Das Ende des 3. Reiches führte zum totalen Zusammenbruch der Gesundheitsvorsorge. Erst in den Nachkriegsjahren begannen sich die Versicherungen wieder neu zu formieren.

Die private Krankenversicherung hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich und hat es trotzdem geschafft, zu einem wesentlichen Pfeiler des modernen Systems der Gesundheitsvorsorge und -fürsorge zu werden.





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